3. Paltz beim Trickfilm-Wettbewerb des LFK 2008 -> hier geht es zum Film (cc-by-sa)

Projektablauf

Die Klasse startete das Projekt im Oktober 2008 mit einer Miró-Werkstatt. Laut Bildungstandards Baden Württemberg MNK/Kompetenzfeld 8 sollen die Schüler, Leben und Werk bedeutender Künstler kennen und eigene kreative Fähigkeiten entwickeln.

Mit Mirós Bilderwelt befassten sich die Kinder auf vielfältige Weise:

  • Die rätselhaften Titel ordneten sie dem Bild zu, begründeten ihre Wahl und interpretierten dabei das Bild.
  • In Mirófarben malten sie vorgegebene Konturen von Miróbildern aus.
  • Unvollständige Drucke ergänzten sie durch Stickers anhand des Originals.
  • Ihre „igenen Kreaturen mit entsprechendem Titel“ malten die Schüler in Kombination von Wachs- und Wasserfarben.

Im Anschluss an die Miró-Werkstatt wurde der Trickfilm-Wettbewerb vorgestellt. Zur Einführung befassten wir uns mit dem optischen Farbmischer (Bauhaus), dem Daumenkino, dem Roll- und Wendebild und dem Buch mit beweglichen Bildern „GALOPP! Kino im Buch“. Die drei Trickfilmarten wurden kurz aufgezeigt.

Jetzt bekamen die Kinder die Aufgabe, die Hauptfigur des Films für den Legetrick aus Tonpapier zu kreieren. 
Es sollte eine Fantasiefigur à la Miró sein. Die ungewöhnliche Reihenfolge, die Kreatur und nicht die Geschichte an den Anfang zu stellen, erfolgte, um fantastievollere Ergebnisse zu erzielen. 
Aus einer großen Vielfalt wurden schließlich drei Figuren ausgewählt: Wimbali, Joyo und Wulo. 
Auf freiwilliger Basis konnten die Kinder in den Herbstferien eine Geschichte zu einer, zu zwei oder zu allen drei Figuren erfinden. 
(Lehrplanbezug Deutsch: „eigene Schreibideen entwickeln“)

Ann-Kathrins Story von Wulo und Wimbali überzeugte durch Umsetzbarkeit, Geradlinigkeit, Dramatik und Witz.

Aus Zeitgründen erstellten die beteiligten Lehrer das Storyboard. Die Herstellung der Figuren und Hintergründe für ihre Szenen erfolgte hauptsächlich in Gruppen- und Partnerarbeit während des MNK-Unterrichts oder in Freiarbeitsstunden.

Material

Als Material standen verschiedenfarbiges Tonpapier, Fotokarton, Strohseide, schwarzer Edding, Knetklebepads, Moosgummi-Buchstaben und Passfotos zur Verfügung. Der Hintergrund hatte das Format 44cm x 32cm , welches sich aus der selbst gebauten Aufnahme-Einrichtung, der „Trickboxx“ ergab.

Animation / Produktion

Die Animation der Figuren und das Abfilmen der Szenen übernahmen jeweils Vierergruppen unter Anleitung des Projektleiters Herr Weinert. 
Die Produktion fand außerhalb des Klassenverbands oder in der Freizeit der Schüler statt. 
Jedes der 22 Kinder in der Klasse beteiligte sich mindestens einmal an der Trickfilmproduktion.

Zur akustischen Gestaltung der Vertonung trugen Klassenverband, Gruppen und einzelne Schüler bei. 
Den Rap kreierten zwei Jungs der Klasse. Die Aufnahmen fanden im Klassenverband statt. 
Geräusche, Sprache und Musik sollte selbst produziert werden. Zum einen wegen der authentischen Wirkung im Trickfilm, zum anderen wegen des Bildungsplans MNK/Kompetenzfeld1,2,4: Stimmungen in der Musik, Rhythmussprache.
Alle Audio-aufzeichnungen erfolgten mit dem Zoom H2 und wurden anschließend mit Audacity überarbeitet.

Projektziel:

Besonders die Trickfilmproduktion übte eine Faszination auf die Grundschüler aus. Fast alle waren jederzeit bereit, auch in ihrer Freizeit mitzuwirken. 
Das Anschauen kleiner Filmabschnitte rief Begeisterung hervor. Die Vermittlung von Medienkompetenz verlief äußerst spielerisch. 
„Medien sachgerecht und bedürfnisbezogen zu nutzen, zu gestalten und zur Kommunikation einzusetzen“ , also eigene Mediengestaltung und Präsentation kann man als Projektziel bezeichnen. Es ist im Bildungsplan MNK/Kompetenzfeld 3 festgeschrieben. 
Sich selbst im Medium Film kreativ auszudrücken, seine Funktionsweise zu kennen und kritisch gegenüber Medien zu sein, ist eine Horizonterweiterung zum gewohnten Medienkonsum. Da in dieser Klasse der Medienkonsum schon während der ganzen Grundschulzeit sehr hoch war, bekommt das Projekt einen wichtigen Stellenwert.

Projektbedingungen:

Das Projekt war von Anfang an als Teamarbeit konzipiert, da der Projektleiter keinen Lehrauftrag in der Grundschule hatte. Die Bedingungen schienen zu Schuljahresbeginn etwas problematisch, da der Klasse zeitweise nur 1 Wochenstunde MNK bei der Klassenlehrerin Frau Kuch zur Verfügung stand. 
Der Projektleiter betreute die Gruppen bei sämtlichen Trickfilmaufnahmen in seiner Freizeit. 
Die jeweilige Gruppe war vom Regelunterricht freigestellt oder betätigte sich nach dem Unterricht in ihrer Freizeit. 
Durch die selbst gebaute „Trickboxx“ konnte der zeitliche Engpass prima bewältigt werden.

Zeitraum:

Das Projekt erstreckte sich insgesamt von Anfang Oktober bis Februar. 
Die Herstellung sämtlicher Bestandteile für den Legetrick inklusive der Miró-Werkstatt erforderte ca. 15 Schulstunden und war am 9.12.08 beendet. 
Vertonungsideen und die Tonaufnahme benötigten weitere ca. 3 Unterrichtsstunden und die Trickfilmproduktion vom 1.12.08 bis 4.2.09 dauerte ca. 14 Schulstunden.
Nicht in Stunden erfasst wurden die vielen Momente in denen die Bilder sortiert, ausgewertet, umgestaltet und arrangiert wurden.
Für die endgültige Fassung mit Bild und Ton kann man nocheinmal ca. 15h ansetzen.

Beurteilung/Reflexion

Das Projekt förderte die Entwicklung der Medien-, Kommunikations- und Sozialkompetenz der Schüler außerordentlich. Jeder Schüler der Klasse bekam Einblicke in die Mediennutzung und die Medienproduktion. Er wurde mit der Entstehung des Trickfilms durch persönliches Agieren vertraut gemacht. 
An der Animation der Figuren und an der Bedienung des Laptops beteiligte sich jeder mindestens einmal. 
Genaue Absprachen waren zwangsweise erforderlich, besonders bei der Animation oder bei der Herstellung von Figur und Hintergrund. Lösungsvorschläge wurden diskutiert, um eine Wahl zu treffen. 
Als sehr positiv war während des gesamten Projekts zu beobachten, dass immer die Sache im Vordergrund stand. Es wurde ergebnisorientiert gearbeitet. Dass Filmemachen Teamarbeit erfordert, erkannte jeder. Destruktive Tendenzen wie Dominanzstreben und Rücksichtslosigkeit standen im Hintergrund. Gefördert wurden konstruktive Tendenzen wie Kreativität, Kooperations- und Kompromissbereitschaft, Flexibilität und Engagement. Lehrplanbezug MNK/Kompetenzfeld 2: „einander zuhören, eigene Meinung begründen, Verständnis entwickeln“.
Die ganze Klasse war hochmotiviert, identifizierte sich mit ihrem Werk und freute sich auf die DVD ihres Trickfilms „Der verflixte Augenblick“. Jeder kann sich darin wieder finden. Das Gemeinschaftsgefühl wurde enorm gestärkt.